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Testbericht

Testbericht von SaschaBoy aus Leer



Dieser Bericht soll für diejenigen eine kleine Hilfe sein, die unentschlossen sind, wenn es um den Kauf eines Iaito geht. Er entspricht meinen bisherigen Erfahrungen mit den hier nachfolgend vorgestellten Schwertern.

Dabei handelt es sich zum einen um ein billiges Iaito aus Japan für 120 Euro und zum anderen um ein Gorin Iaito aus der Schmiede von Paul Chen für ca 400 Euro.

Ich erhebe keinerlei Anspruch auf die Richtigkeit der in diesem Bericht angesprochenen Themen. Sie beruhen auf meinen persönlichen Erfahrungen, die ich im Umgang mit diesen beiden Schwertern gesammelt habe.



Klinge


Gorin Iaito

Die Klinge des Paul Chen Iaito besteht aus Monostahl und ist somit belastbarer als die Klingen normaler Iaitos, allerdings ist auch bei dem Gorin auf Schwertkontakt zu verzichten, da die Klinge sehr dünn geschliffen ist und somit schon aus diesem Grund eher ungeeignet ist, schwere Stöße auszuhalten.

Die Hamon ist sehr schön, allerdings wurde sie nicht durch Härten sondern durch Ätzen erzeugt. Die Klinge wiegt im Grunde fast nichts. Sie ist sehr dünn und verjüngt sich zur Kissaki hin extrem. Die sehr breite Hi tut ihr Übriges dazu. Die Klinge ist sehr sauber verarbeitet, jedoch wurde bei der Kissaki arg geschlampt. So hat sie recht viele Kratzer und wurde scheinbar nicht so gut poliert, wie der Rest der Klinge. Das Schwert an sich ist sehr gut gewuchtet und liegt ausgezeichnet in der Hand.
Alles in allem ist die Klinge zwar sehr schön, weist allerdings Verarbeitungsmängel auf. Für Leute die eine sehr leichte Klinge suchen allerdings geeignet.



Japan Iaito

Die Klinge des Japan Iaito ist zwar nicht so schön wie die des Gorin Iaito, allerdings ist sie wesentlich sauberer verarbeitet. So sucht man hier Kratzer vergeblich. Auch ist die Hi nicht so übertrieben breit, dies ist allerdings Geschmacksache, wie ich finde. Die Klinge verjüngt sich kaum und weist auch so eine gleichbleibende Stärke auf. So ist das Japan Iaito trotz gleicher Länge im Gegensatz zum Gorin um ein Vielfaches schwerer.
Hinzu kommt noch, dass das Schwert recht kopflastig ist, was durch eine schwerere Tsuba jedoch leicht ausgeglichen werden kann. Das Material der Klinge besteht aus einer Alu/Zink Legierung und ist somit in keinster Weise für den Kontakt mit anderen Schwertern geeignet.




Beschläge



Gorin Iaito



Tsuba, Fuchi und Kashira sind aus brüniertem Stahl und überraschend gut und sauber gearbeitet.

Die Tsuba ist eine Reproduktion der Tsuba, die von Miyamoto Musashi geschmiedet wurde. Diese stellt 2 stilisierte Seegurken dar. Nicht nur die Tsuba stellt, wie schon der Name des Schwertes, eine Anspielung auf Musashi dar. Die Menuki, 2 Paddel und ein Strohhut, sind eine Anspielung auf Musashis Kampf auf den Ganryu Inseln gegen Sasaki Kojiro.

Die Seppa sind sehr gut verarbeitet und bestehen aus Kupfer. Die Habaki scheint aus Aluminium zu sein, jedoch wurde diese mit einer dünnen Folie aus Silber beschlagen was einen sehr edlen Eindruck macht.





Japan Iaito



Die Tsuba des Iaito stellt einen Kranich dar und ist von sehr billiger Machart. Sie besteht aus lackiertem Aluminium und ist somit sehr leicht. Dies ist bei der sowieso schon schweren Klinge nicht von Vorteil. Fuchi und Kashira sind aus geschwärztem Aluminium und sehr sauber verarbeitet, allerdings stören mich die, wie ich finde, albernen Aufdrucke in Form von Möwen und riesigen Wellen. Die Menuki sind aus Plastik und stellen Karpfen dar. Die Seppa sind recht dünn, allerdings wie beim Gorin sehr sauber verarbeitet. Die Habaki finde ich für mich sehr gut gelungen. Sie ist 2-teilig und ist im unteren Bereich in einem Stil gehalten, der Moos darstellen soll.





Griff




Gorin Iaito

Der Griff des Gorin Iaito ist mit 27 cm recht lang, was vor allem Leute mit großen Händen Freude bereiten dürfte. Die Ito(Griffband) besteht aus Kuh-Leder. Sie sieht zwar sehr gut aus, nimmt aber leider kaum Schweiß auf und klebt mit der Zeit. Dies ist vor allem für Leute die viel trainieren eher hinderlich, auch ist das Band sehr ungleichmäßig gebunden, was sich in Form des sehr schiefen Diamantmusters auf dem Griff wiederspiegelt. Allerdings ist die Ito sehr fest gebunden, so wackelt und rutscht nichts. Die Rochenhaut unter dem Griff ist sehr feinperlig. Die Tzuka gibt guten Halt, jedoch ist sie kerzengerade, was manchem Iaidojin bitter aufstoßen könnte.



Das größte Manko ist der Griffrohling an sich. Nimmt man die Fuchi ab, so graut es dem Betrachter:

Dick verkrustete Leimreste, schwarze Stellen am Holz und vor allem absplitterndes Holz, das nicht vertrauenserweckend aussieht.

Da der Griff sehr lang ist, wurde auch die Angel sehr lang gehalten. So geht die Angel durch den gesamten Griff.





Japan Iaito

Der Griff hat mit 24 cm Standardgröße. Die Ito besteht aus guter Baumwolle und nimmt gut Schweiß auf. Auch ist hier das Band wesentlich schöner, wenn auch etwas lockerer gewickelt worden. Die Same ist ebenfalls von guter Qualität, allerdings sind die Schuppenperlen der Haut etwas größer geraten als beim Gorin. Der Griff ist sehr sauber verarbeitet und liegt sehr gut in der Hand.




Scheide und Sageo






Gorin Iaito

Das Sageo des Gorin Iaito ist einfach nur Mist. 100% reinste Kunstfaser. Es lässt sich kaum binden und verknotet sich leicht. Es ist steif und dick wie ein Gartenschlauch. Die Saya ist von außen Ui, von innen Pfui: von außen prima lackiert, in rauer matter Optik. Der Scheidenmund und das Ende der Saya sind aus Büffelhorn.

Schaut man sich die Saya von innen an, so ist die Freude schnell vorbei.
Statt die Scheide gleich richtig anzupassen, wurden einfach Holzplättchen in den Scheidenmund geklebt. Auch hat man an ein 2,5 eine 2,6, wenn nicht sogar eine 2,65 Shaku Scheide angeschraubt. Das hat zur Folge, dass im Grunde das Schwert ohne die eingeklebten Hölzchen ständig aus der Saya fallen würde.
Ärgerlich ist auch, dass so die Klinge bei jeder Bewegung in der Scheide klappert. Fazit ist, dass die Scheide gut aussieht, irgendwie hält, aber einfach nur "mistig" angepasst ist.




Japan Iaito

Das Ortband ist hier wesentlich besser gearbeitet. Es ist viel feiner gewebt und lässt sich sehr gut binden. Dies liegt vor allem daran, dass das Band aus einem Baumwoll/Kunstfaser Mischgewebe besteht.

Die Saya ist ebenso wie beim Gorin matt lackiert. Der Scheidenmund besteht aus Kunststoff, was weniger schön ist. Jedoch ist die Scheide sehr passgenau und alles sitzt da, wo es sitzen soll.




Fazit



Schaut man sich die beiden Schwerter an, so fällt eins auf:

Am Paul Chen Iaito werden recht hochwertige Materialien verwendet. Allerdings wurden diese eher schlecht als recht verarbeitet. So schafft es der Hersteller des gut 300 Euro billigeren Schwertes, mit billigeren Materialien mehr auf die Beine zu stellen. Zwar wirkt das Japan Iaito an einigen Stellen weit weniger schön, allerdings ist es dafür wesentlich besser verarbeitet.

Es sind beides schöne Schwerter, allerdings hätte Chen wesentlich mehr aus dem Schwert herausholen können. So finde ich den Preis von 400 Euro für das Gorin stark übertrieben. Man bekommt beim billigeren Iaito aus Japan für sein Geld wesentlich mehr Schwert als beim Gorin Iaito.

Für Leute, die leichte Schwerter bevorzugen, ist das Iaito von Paul Chen gut geeignet. Für Leute wie mich, die ein Iaito mögen, das nahe an einem richtigen Schwert liegt, ist es allerdings weniger geeignet. Die Mängel am Japan Iaito, wie z.B. die Plastikteile an der Tsuka oder die billige Tsuba, werden demnächst hier auf dieser Seite in einer separaten Umbauanleitung für die Tsuka behoben.



Erstellungsdatum : 19/11/2004 @ 12:07
Letzte Änderung am : 27/12/2004 @ 14:57
Kategorie : Waffen
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